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Feldtag September 2017

Vom 22. bis 24.09.2017 veranstalteten wir unseren Feldtag. Im Vordergrund standen diverse Tests und der KW-Betrieb in ungestörter Umgebung.

Aufbau

Die Idee, mit dem Fahrrad nach Andechs zu fahren, zerschlug sich. Maria, meine zweite Tochter, wollte nun endlich auch einmal diesen Bauernhof kennen lernen. Das komplette Gepäck hätte nicht mehr in den Fahrradanhänger gepasst. Zumal der Aufwand wegen der zu erwartenden Temperaturen höher ausfiel. Also musste ich auf ein Auto zurückgreifen.

Auch die Auswahl der Ausrüstung bereitete uns Kopfzerbrechen, da die Kapazitäten stark begrenzt waren. Zum Schluss sind wir zum Ergebnis gelangt, das Aggregat mitzunehmen und die große Antenne zuhause zu lassen. Für sie wurde Ersatz in Form eines 12,5m GFK Mastes und einem Draht gefunden, der deutlich weniger Platz in Anspruch nahm.

Thomas und Hartwig kümmerten sich um OV-Zelt, Aggregat und eine Kochgelegenheit.

Mit Hartwig kämpfte ich mich durch ein Wirrwarr von Zeltstangen. Es verging einige Zeit, bis jede Stange an ihrem Platz war. Gemeinsam mit den Kindern hievten wir die Zeltplane über das Gestell, und schon stand unser Operatorzelt. Diesmal wählten wir, entgegen der bisherigen Gewohnheit, eine Nord/Süd-Ausrichtung. Die Wiese besitzt ein kleines Gefälle, was in der Vergangenheit zum Stau von Wasser auf dem Zeltdach geführt hatte. Leider führten die Abdrücke der Reifen des Traktors zu einem anderen Problem: Eine Stange hatte keinen Bodenkontakt. Ein untergeschobener Stein klärte die Sache.

Was uns nun noch fehlte, war ein weiterer Tisch auf dem die KW-Station aufgebaut werden konnte. Thomas löste das Problem mit Teilen eines alten Regals und ein paar Brettern. Was so ein Terrassenbau so alles mit sich bringt!

Danach begannen alle, ihre eigenen Zelte aufzubauen und einzurichten.

Durchführung

Als Kommunikationskanal wollten wir diesmal weg von einer festen 2m-Frequenz hin zu einer Lösung über ein Relais. Hier bot sich die Zugspitze (DB0ZU) mit ihrer extremen Reichweite an. Auf 2m war der Verkehr allerdings nicht lange zu ertragen, so das ich auf die 70cm (438.850MHz) wechselte. Schon am Nachmittag meldete sich Andi (DG4MIC), der sich für einen Besuch am Abend anmelden wollte. Auch Markus (DO8GZ) fand uns schnell auf dieser Frequenz.

Sophia und Andi (DG4MIC)

Bild 1: Sophia und Andi (DG4MIC)

Zeit für das Abendessen. Es sollten Spaghetti bolognese werden. Für die Spaghetti hatten wir allerdings keinen Topf mit dabei. Sonja, die Bäuerin, half uns hier dankenswerterweise aus. Gar nicht so einfach, bei dem Wind und diesen Temperaturen, kochendes Wasser zu produzieren.

Noch am Freitag Abend, gegen 22:30Uhr, begrüßten wir mit Andi unseren ersten Gast. Wir verabreichten ihm eine Schüssel warme Spaghetti. Wir quatschten noch gemütlich in die Nacht hinein. Andi ist an diesem Abend nicht mehr nach Hause gefahren. Kurzerhand funktionierte er sein Auto zu einem Zelt um. Bei sternklarem Himmel lagen wir gegen Mitternacht alle in den Schlafsäcken.

Sonnenaufgang

Bild 2: Sonnenaufgang

Am nächsten Morgen, pünktlich um 07:00Uhr, begannen die Kinder ihren Dienst im Stall. Sie sind ohne einen Wecker und ohne Murren aufgestanden. Die Bauern haben angekündigt, dass sie erst gegen 08:00Uhr auf dem Hof erscheinen würden. Die Kinder hatten bis dahin schon gut vorgearbeitet. Wir erlebten einen wunderbaren Sonnenaufgang, direkt über dem Bäckerbichel.

Thomas (DB5FT)

Bild 3: Thomas (DB5FT)

Mit vereinten Kräften stellten wir den 12,5m GFK Mast von Thomas auf. Er trug einen Draht von 11m Länge. Damit war DL0MW/p auf den Bändern 160m bis 10m QRV.

Die extrem hohe Luftfeuchte führte zu einem innen beschlagenen Zeltdach. Wir lagerten das Equipment, wie üblich, an den Außenwänden des Zeltes. Die Morsetaste gab nur noch einen Dauerstrich. Einmal Trockenlegen, und schon funktionierte sie wie gehabt. Wieder was gelernt.

Für mich stand nun der Test meiner City-Windom an. Die Antenne hatte ich bis dahin noch nicht einmal aus ihrer Verpackung geholt. Dass sie lang war, hatte ich erahnt. Ausgerollt offenbarte sich dann ihre gesamte Größe. Das eine Ende befestigte ich an einem Baum. Das andere, mittels eines kleinen 2,5m-Mastes, in der Nähe meines Zeltes. Damit war aber bereits die gesamte Breite der Wiese ausgereizt.

Die Kinder kamen mit zwei Flaschen frischer Milch zurück. Zeit für das Frühstück.

Georg (DL5NO)

Bild 4: Georg (DL5NO)

Andi schlief noch. Wollte er nicht um 10:00Uhr bei einem Weißwurstfrühstück in München sein? Das wird jetzt wohl nichts mehr. Wir schickten ihm die Kinder zum Wecken.

Georg (DL5NO) erschien mit seinem eigenen Transceiver, einem Antennentuner und etwas Draht. Er wollte die Betriebsart FT8 einmal ungestört in freier Wildbahn ausprobieren. Seine Antenne spannten wir von einem Baum nach unten, direkt an seinen Tuner. Ausgerüstet mit einem kleinen Tisch, setzte er sich an einen freien Platz im Zelt.

Und wer ist das? Gegen Mittag besuchte uns Franz (DK3DK). Er hatte sich mit dem Fahrrad von München aus auf den Weg gemacht.

Franz (DK3DK)

Bild 5: Franz (DK3DK)

Es fehlten noch Oliver und Nils. Sie wurden mit dem Mama-Taxi direkt auf die Wiese geliefert. Thomas wollte erst einmal testen, wie der Schlafsack mit den geringen Temperaturen in der Nacht zurecht kommt. Seine Erkenntnisse führten zu der Erlaubnis, das die Kinder über Nacht bleiben durften.

Langsam stellte sich Hunger ein. Für mein geplantes Reisgericht waren es zu viele Leute. Aber Spaghetti hatte ich vorsorglich ein paar mehr Packungen mit dabei. Spaghetti? Also nochmal Spaghetti. Etwas Gemüse in die Pfanne geschnitten, und die Spaghetti ins Wasser.

Test des BSP-Senders

Bild 6: Test des BSP-Senders

Auch Toni und Philipp vom Bear Space Project[1] waren dem Ruf des C13-Feldtages gefolgt. Bei ihnen stand eigentlich ein Reichweitentest ihres Senders auf dem Programm. Aber soweit sind wir nicht gekommen. Die Stabilität ihres Senders ließ zu Wünschen übrig. Auch der Aufbau meines Referenzempfängers förderte einige Probleme zu Tage. Mein System dekodierte einen Teil des RTTY-Signals falsch. Leerzeichen interpretierte die Software als @. Alle Versuche mit geänderten Parametern führten nicht zum Erfolg. Allerdings ist uns beim direkten Vergleich aufgefallen, dass der Sender stabil läuft, und nur bei Philipps SDR-Empfänger das große Fading aufwies.

Zelte

Bild 7: Zelte

„CQ SOTA, CQ SOTA” tönte es gegen 14:00Uhr auf 145,500MHz. Es war Frank (DJ2FR) auf dem Buchstein (DL/MF-024) aus 1701m Höhe. Alles stehen und liegen gelassen und ran ans Mikrofon. Es entstand ein riesiges Pileup. Also warten. Mit etwas Geduld klappte es dann und mein SOTA-Punktestand schnellte um 6 Punkte in die Höhe. Nach der Mikrofonübergabe an Thomas konnte auch er sich die Punkte sichern.

Am späteren Nachmittag fand dann Janin (DK1LJ) ihren Weg zu uns. Mit im Gepäck zwei Masten und eine FD4-Antenne. Für sie stand ein letzter Test für die Reise nach Griechenland im Vordergrund.

Janin (DK1LJ)

Bild 8: Janin (DK1LJ)

Für die Kinder wurde es am Nachmittag noch einmal spannend. Kurz vor unserem letzten Feldtag stattete ein Fuchs dem Geflügelstall einen Besuch ab. Sonja und Markus wollten den verwaisten Stall wieder mit Leben füllen, und bestückten ihn mit zwei Laufenten. Sehr zur Freude der Kinder.

Am Abend warfen wir noch ein paar Würste auf den Grill. Markus und auch Jakob (DD5JFK) begleiten uns via DB0ZU. Jakob musste seine Zusage für den Feldtag leider berufsbedingt aufgeben. Auch Georg, der bereits wieder zuhause angekommen war, meldete sich bei uns. Wir wollten auf Kurzwelle eine Verbindung zu ihm per Bodenwelle versuchen. Leider scheiterte das Unternehmen.

Die Nacht versprach anfangs nicht so kalt zu werden wie die erste. Es zog Bewölkung auf, die sich aber später am Abend wieder verzog und den Blick auf den Sternenhimmel freigab.

Abbau

Am Morgen zogen die Nebel über die Wiese. Sonnenaufgang. Die Kinder kümmerten sich wieder um die Kälber.

Neuzugang am Bauernhof

Bild 9: Neuzugang am Bauernhof

Wieder war das Zelt innen beschlagen. Die Heizung half, es innen wieder trocken zu bekommen. Die Sonne kämpfte sich durch die Wolken, und gegen 10:00Uhr hatten wir herrlichen Sonnenschein. Allerdings türmten sich auch langsam die Wolken in der Umgebung.

Erst einmal die Antennen abbauen. Die kleinen Zelte trockneten schnell, und deren Abbau gestaltete sich unproblematisch. Endlich war auch das große Zelt trocken. Nun schnell alles Verpacken, denn die Wolken sahen zunehmend bedrohlicher aus. Zwei Minuten, nachdem das grosse Zelt im Sack verschwunden war, gab es in der Nähe einen Blitzeinschlag. Dabei blieb es dann auch. Kein Gewitter, kein Regen. Nochmal Glück gehabt.

Wenige Minuten später traf Hartwig bei uns ein. Er berichtete von heftigen Regenfällen auf dem Weg zu uns. Leider passte das Aggregat nicht in seinen Wagen und so mussten wir noch einmal alles umladen. Es lag nun nichts mehr auf der Wiese und wir traten den Heimweg an.

Nachbereitung, Georg (DL5NO)

OM Georg (DL5NO) hat den „Feld-Tag” genutzt, um einmal die neue digitale Betriebsart FT8[2] auszuprobieren. Hier seine Erfahrungen:

FT8 funktioniert auch bei leisen Signalen gut und ist damit eine gute Option für QRP-Stationen. Mit 10m Draht, der an einem Baum aufgehängt war und einem Antennentuner waren USA und Island problemlos zu arbeiten (das wäre aber mit CW genauso gegangen). FT8 ist quasi ein „Turbo JT9”, d.h. die Durchgänge mit jeweils 13 Buchstaben sind auf knapp 14 Sekunden komprimiert, im Vergleich zu knapp 50 Sekunden bei JT9. Laut den Autoren der Software sollen sich mit FT8 Signale mit 24dB unter Rauschen (bezogen auf ein Empfangsfenster von 2,5kHz Breite) noch dekodieren lassen.

Der QSO-Ablauf erfolgt quasi vollautomatisch durch die Software „WSJT-X”, wobei das QSO-Schema auch weitgehend vorgegeben ist. Hier eines unserer QSOs (mit DK8BZ auf 10m Bodenwelle) als Beispiel:

CQ DL0MW JN57
DL0MW DK8BZ JN58
DK8BZ DL0MW -06
DL0MW DK8BZ R-10
DK8BZ DL0MW RRR
DL0MW DK8BZ 73
DK8BZ DL0MW 73

Leider erlauben die neuen hochgezüchteten digitalen Betriebsarten wie FT8 wenig Varianz. Bei Änderung der Inhalte versagt die Software, d.h. es ist nicht möglich (und offensichtlich auch nicht angedacht) Informationen wie beispielsweise Namen des Operators oder QTH mitzugeben. Und es war auch nicht möglich mit dem eigentlich korrekten Stationsrufzeichen DL0MW/P Betrieb zu machen, da das 13-Buchstaben-Schema damit schon überschritten wird, d.h. die Software lief nur mit dem Call DL0MW durch. Das ist in meinen Augen eine große Schwäche des Systems. Ein Rufzeichen wie beispielsweise HB9/DL5NO (was ich gemäß CEPT Lizenz beim Aufenthalt in der Schweiz verwenden müsste) würde schon gar nicht funktionieren. FT8, und im Übrigen auch andere Betriebsarten aus derselben Softwareküche, diskriminieren quasi die Nutzer langer Rufzeichen.

Im Betrieb mit FT8 ist auch zu beachten, dass die Uhr des jeweiligen PCs sehr genau gehen muss, d.h. das vorgegebene 15-Sekunden-Raster ist durch alle teilnehmenden Stationen exakt einzuhalten. Da die „normale” Uhr eines PCs in der Regel nicht ausreichend genau läuft, ist eine Synchronisierung per NTP-Timeserver im Internet zwingend angeraten. Dies wurde auf dem Fieldday-QTH in Andechs mittels Android-Smartphone mit LTE und einem lokal aufgebauten WLAN bewerkstelligt.

Mein Fazit: Test in Andechs hat technisch geklappt, aber FT8 ist die x-te neue digitale Betriebsart, die die Welt eigentlich nicht braucht.

Ansonsten: Fieldday zum Sommerende in Andechs auch mal ohne Contest-Stress hat Spass gemacht…gerne wieder im nächsten Jahr.

Quelle: OM Georg (DL5NO)

Nachbereitung, Sven (DG1SVE)

Wie immer am Ende einer solchen Veranstaltung fragt man sich, was optimiert werden kann. Wir stecken viel Energie in die Bewegung unserer Ausrüstung. Was lag also näher, als Markus, den Bauern, nach einer Unterstellmöglichkeit zu fragen. Er schien erstmal nicht abgeneigt. Vorstellbar ist zukünftig also, dass wir Zelt, Aggregat und Masten bei ihm unterstellen.

Abendessen

Bild 10: Abendessen

Schmerzlich vermisst haben wir Tische und Sitzgelegenheiten. Ich rege daher die Beschaffung von ein oder zwei Bierbank-Garnituren an.

Der Fuchsbichl, speziell die zugewachsene Flakstellung, ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Ebenso sollten wir das Thema Sanitäreinrichtungen noch einmal überdenken.

Sonja und Markus planen 2018 auf der Wiese ein Haus zu bauen. Es bleibt abzuwarten, ob wir hier noch die Mindestabstände für den Contest einhalten können. Falls sich daraus ergeben sollte, dass wir die Wiese nicht mehr nutzen können, besteht die Möglichkeit, auf ein anderes Stück Land des Bauern auszuweichen.

Erstaunt war ich über die große Resonanz. Der Feldtag war nur im OV C13 angekündigt. Zudem hatte ich ein paar Interessierte außer der Reihe angesprochen.

Aus den Rückmeldungen der Teilnehmer konnte ich entnehmen, dass das Format des Feldtages gut angenommen wurde. Vielleicht sollten wir das 2018 wiederholen?

Mein Dank gilt vor allem Thomas und Hartwig, in deren Händen die gesamte Logistik lag.