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SOTA Erstaktivierung Benzegg (OE/SB-152)

Zusammenfassung

Auf dem Weg nach Süden verwenden viele die Tauern Autobahn A10 durch Österreich. Zwischen Flachau und dem Tauerntunnel steht ein eher unscheinbarer Berg: das Benzegg.

04.09.2017

Die Tage vorher waren geprägt von geringen Temperaturen und Niederschlägen. Die Schneefallgrenze lag auf 1500 m. Keine optimalen Verhältnisse, aber machbar. Der Gipfel des Benzegg[1] lag bereits im Schnee.

Für Urlauber der Region halten die Verkehrsbetriebe einen ganz besonderen Service bereit. Mit der Gästekarte und einen ganzen Euro durfte man den Sportwelt-Bus im Tal benutzen. Also stieg ich um 08:30 Uhr in Flachau in den Bus nach Flachauwinckel. Dort angekommen musste ich die Autobahn unterqueren und nach einigen Metern stand ich am Forstweg in das Ennstal.

der Nebel verschwindet, die Sonne kommt hinter den Bäumen hervor

Bild 1: der Nebel verschwindet, die Sonne kommt hinter den Bäumen hervor

09:00 Uhr zu Beginn des Forstweges hüllte sich der Wald noch in Nebel. Auch das GPS hatte seine liebe Not seine Satelliten zu finden. Mit zunehmende Höhe verbesserte sich die Sicht. Die Sonne schob sich über das Benzeck.

09:30 Uhr der Weg führte aus dem Wald und das Tal öffnete sich. Ein Wassertrog an der Aigenhütte bot die Möglichkeit, sich mit glasklarem frischen Bergwasser zu versorgen. Ein herrlicher Blick, blauer Himmel, saftige grüne Weisen, weiße schneebedeckte Berge. Echtes Bergglück.

Aigenhuette

Bild 2: Aigenhuette

Einige Bewohner des Tales sprachen mich auf der Straße wegen meiner Ausrüstung an. Zugegeben, die 2 m J-Pole Antenne, direkt am Rucksack, verleitet natürlich zu Fragen.

10:30 Uhr auf Höhe der Unteren Ennshütte überholte mich Karsten, aus Berlin. Ab diesem Zeitpunkt liefen wir zusammen und klar ich habe ihm etwas über den Amateurfunk erzählt.

Plötzlich kam uns eine Herde Jungvieh von oben entgegen. Die Bauern erzählten uns, dass sie das Vieh wegen des Schnees, von den höher gelegenen Wiesen nach unten bringen.

11:30 Uhr, an der Oberen Ennshütte, liefen wir bereits auf Höhe des Schnees. Die Suche nach dem Einstieg gestaltet sich etwas problematisch. Ein Wegweiser zeigte zwar die Richtung, aber den Weg zu finden, war bei dem Schnee alles andere als einfach. Die Karten verzeichneten einen Weg, der auf einer Höhe bleibend und unterhalb des Schilcheggs entlang führte.

Der Weg entpuppte sich als ein kleiner Pfad. Nur nicht die Orientierung verlieren! Blaue Punkte weisen den Weg, wenn man sie an einem Baum entdecken konnte. Langsam wurde das Gelände steiler. Für Karstens Knie zu schwer. Er trat den Rückweg an. Also alleine weiter. Ich verfolgte teilweise Wildspuren, gelegentlich mal ein blauer Punkt.

Die Ausläufer des Benzegg und Schilcheggs bilden ein Sattel, den ich treffen musste. Das Gelände wurde geringfügig flacher, aber nicht einfacher, Viehspuren zeichneten das Gelände. So langsam erkannte ich das Joch durch den lichten Wald. Hier musste es sein, also rauf. Oben angekommen eröffnete sich der Blick Richtung Süden. Da stand es, das Mosermandl[2] , meine erste SOTA-Erstaktivierung von 2016, mit seinen 2680 m. An eine Aktivierung war dieses Jahr mit dem Schnee nicht zu denken.

Panorama, Permuthwand und Mosermandl

Bild 3: Panorama, Permuthwand und Mosermandl

13:00 Uhr, vom Sattel aus war schon das Gipfelkreuz des Benzeggs zu sehen. Der Weg verlief auf dem Grad in nordöstliche Richtung. Markierungen waren nun keine mehr zu sehen, der Schnee einfach zu hoch. So orientierte ich mich am Grad und blieb dem felsigen Abhang fern. Am Horizont der Hochkönig, so wie der Hohe Dachstein. Vor mir die letzten 200 Höhenmeter.

13:45 Uhr, ich stehe auf dem Gipfel. Zuerst versuchte ich es mit der J-Pol Antenne auf 2 m. Schnell meldete sich Gerhard DO1GER, er ist um diese Zeit eigentlich immer QRV. Auch der kleine Habwennen-Dipol kam bei SSB zum Einsatz. Weiteres rufen brachten aber keine Stationen in das Logbuch. Glücklicherweise hatte ich noch meine Geheimwaffe, die 2 m 6-Elemente Yagi mit im Gepäck. Das Abspannen des Mastes gestaltete sich bei dem Schnee etwas Schwieriger.

Gipfelkreuz des Benzeggs

Bild 4: Gipfelkreuz des Benzeggs

Vor einigen Jahren nahm ich bei meinem Bergfreund Andreas einen kleinen Gletscher-Lehrgang. Er zeigte mir, welche enormen Kräfte ein flach im Eis vergrabener Pickel, aufnehmen kann. Also legte ich die Häring im 90 Grad-Winkel zum Seil auf den Schnee. Trat sie fest und schüttete noch etwas Schnee darüber. Irre, es funktionierte, der Mast stand, die Antenne drauf, und weiter gerufen.

15:20 Uhr, es half nichts. Mir lief die Zeit davon. Um 18:20 Uhr fuhr der letzte Bus. Andernfalls würde der Rückweg ausgesprochen lang werden. Alles wieder zusammenpacken und absteigen. Der Schnee war auch bergab ein Hindernis. Alles recht rutschig. Zumindest der Weg war gut durch meine Spuren vom Aufstieg markiert.

16:40 Uhr, zurück an der Oberen Ennzhütte saßen nun ein paar Einheimische beim Kaffeetrinken. Sie luden mich auf ein Stück Kuchen ein. Leider musste ich absagen, da war ja noch die Sache mit dem letzten Bus. So lief ich recht flott den Berg hinunter.

Obere Ennzhütte vor dem Kraxenkogel (2436m)

Bild 5: Obere Ennzhütte vor dem Kraxenkogel (2436m)

18:00 Uhr, der Schlagbaum am Ende des Weges war schon zu sehen. Ein Auto überholte mich und blieb aber nach dem Schlagbaum stehen. Sehr ungewöhnlich. Auf der Beifahrerseite stieg eine Frau aus. Sie fragte mich, ob ich mitkommen wolle. Der Bus war zeitlich noch gut zu erreichen. Aber es war auch eine Gelegenheit schnell nach Hause zu kommen. Also stieg ich ein. Nach einer kurzen Fahrt gelangte ich zurück an die Ferienanlage.

05.09.2017

Es stand eine Tour auf das Grießkareck (1991m) an. Einen Großteil der Strecke legten wir mit der Seilbahn zurück. Natürlich lief das Funkgerät auf 145,500 MHz mit. Nicht zu glauben, alles voll. Einige Stationen wichen gar die 145,525 MHz aus. Innerhalb einer Stunde standen drei SOTA-QSOs im Log, einfach so. Leider ist das Grießkareck kein SOTA-Berg, aber es hatte mit 1991 m in etwas die Höhe des Benzeggs. Das durfte alles nicht war sein!

Die nächsten Tage sagte der Wetterbericht Regenfälle voraus. Zeit zum Nachdenken. Ohne Erstaktivierung aus dem Urlaub? Wo gab es Optimierungspotenzial?

An meinen Equipment konnte ich nichts Wesentliches verändern, es war alles auf den VHF-Betrieb ausgelegt. Vielleicht sollte ich ein Mountainbike verwenden?

Am letzten Urlaubstag besserte sich das Wetter, sodass ich es noch einmal wagen konnte. Für den zweiten Versuch mietete ich mir ein Mountainbike.

08.09.2017

Der Zweite Versuch. Die Fahrt mit dem Rad nach Flachauwinkl verlief ohne große Anstrengungen. Der Bus hat mich zwar überholt, aber ich war unabhängig. Nach der Schranke begann der eigentliche Aufstieg. Nie zuvor habe ich mich mit einem Mountainbike den Berg nach oben gequält. Mit dem schweren Gepäck auf dem Rücken, keine leichte Übung. Die fehlende Kondition tat ihr übriges.

Funkbetrieb auf dem Grießkareck (1991m)

Bild 6: Funkbetrieb auf dem Grießkareck (1991m)

So dauerte es nicht lange, bis ich dem ersten Auto begegnete. Es war ein Förster, der mich, Kraft seines Amtes, höflich aber bestimmt darauf hinwies, dass die Verwendung des Weges für Mountainbikes nicht erlaubt sei. Es gebe da entsprechende Schilder. Also schloss ich das Rad ab und setze meinen Weg zu Fuß fort. Keine 200 m weiter, das nächste Auto. Es war Markus, er bewirtschaftet die Hintere Ennshütte. Seine Eltern hatten mich beim ersten Versuch zurückgefahren. Er fragte: „Was machst Du denn hier?”, „Ich versuche noch einmal das Benzegg, es aktivieren”. Kurz darauf saß ich in seinem Geländewagen.

10:50 Uhr, an seiner Hütte angekommen unterhielten wir uns noch etwas, bis ich mich auf den Weg machte. Ohne den Schnee war der Weg diesmal leichter zu finden. Die meisten Markierungen befanden sich am Boden. Bei Schnee sind sie nicht zu finden.

Benzegg (2075 m)

Bild 7: Benzegg (2075 m)

12:00 Uhr stand ich auf dem Gipfel. Die Yagi baute ich gleich auf, denn es war klar, es würde nicht einfach werden. Das erste QSO natürlich wieder mit Gerhard, DO1GER. Ich unterhielt mich mit ihm über die Probleme vom ersten Versuch. Er schlug mir vor, es mal auf den 2 m Ortzfrequenzen der umliegenden OVs zu versuchen. Und so begann ich mit der Suche nach Gesprächspartnern auf eben diesen Frequenzen. So rief ich mal in FM mal in SSB.

QRV auf dem Gipfel, im Hintergrund das Massiv des Hohen Dachstein

Bild 8: QRV auf dem Gipfel, im Hintergrund das Massiv des Hohen Dachstein

Es folgten zwei QSOs in SSB. Danach brach wieder das große Schweigen aus. Ich begann Gerhards Tipp mit den OV-Frequenzen zu folgen. Fündig wurde ich auf der Ortsfrequenz des OV Traunstein. Einer der beiden OMs, die sich da unterhielten, hörte mich. Das letzte Fehlende QSO.

15:15 Uhr, das war's, alles zusammen packen und Abmarsch. Auf dem Rückweg fielen mir die vielen Blumen auf, die hier noch blühen. Sie lagen vorher unter der Schneedecke und standen nun da, als ob nichts gewesen wäre. Beeindruckend.

Die obere Ennzhütte tauchte wieder auf. Rauch stieg aus dem Schonstein und das Auto von Markus war zu sehen. Prima, vielleicht steht da meine Rückfahrgelegenheit? Und tatsächlich, er war gerade beim zu packen. Auch für ihn war der Sommer zu Ende und er machte seine Hütte winterfest. Ich half ihm, das Auto zu beladen und er fuhr mich bis zu meinem Rad, im unteren Teil des Forstweges.

Nun ging es mit dem Rad hinunter nach Flachau. Ein echter Genuss, der Weg ist immer leicht abschüssig. Unten angekommen gab ich das Rad zurück. Zum krönenden Abschluss ging es mit den Kindern ins Schwimmbad.

SOTA auf dem 2 m Band ist vom Alpenrand ein Kinderspiel. Bewegt man sich aber weiter in die Alpen hinein und dem Berg der Begierde fehlt es an Höhe, wird das Ganze zum Geduldsspiel. Regelmäßig waren Stationen auf den 2 m Band zu hören, braucht man sie, sind sie verschwunden.

[1] Benzegg in der SOTA-Datenbank http://www.sota.org.uk/Summit/OE/SB-152
[2] Mosermandl in der SOTA-Datenbank http://www.sota.org.uk/Summit/OE/SB-017